Mist, schon wieder rückfällig geworden. Die vom Kaffee festklebenden Kekskrümel auf der Tastatur wirken beim Tippen wie eine Fingerreflexzonennassage. Ich entspanne mich. Mein Therapeut meinte zwar, wir wären aus dem Gröbsten heraus, aber ich kann diese Plagiatsvorwürfe nicht auf mir sitzen lassen. Zugegeben, ich habe hier die ein oder andere Zeile mir „geguttenborgt“, aber jeder, der schon einmal selbst an einer Doktorarbeit gesessen hat, weiß, wie viel Arbeit es bedeutet, die kopierten Schnipsel mit einer einheitlichen Formatierung zu versehen. Wenn sich Karl-Theodor es nur etwas raffinierter angestellt hätte. Er hätte alle kopierten Stellen einfach einige Jahre im Voraus im Internet unter seinem Namen in eigenen Artikeln veröffentlichen sollen. Diese Artikel hätte niemand so schnell überprüft. Hätte er danach erst seine Doktorarbeit veröffentlicht, hätte er auf sich selbst referenzieren können.
Das ganze müsste sich eigentlich auch in eine Geschäftsidee gießen lassen: Eine Agentur, die Quellenwäsche betreibt. Für blütenweiße Zitate. Vielleicht gäbe es dann auch soetwas wie eine Fußnoten-Mafia. Auf einem Autobahn-Rastplatz erfolgt dann die Übergabe:
„Gulio, hast Du die Ware?“
„War gewesen schwere Arbeit. Wo iste Gelde?“
„Hier.“
„Okay, damit isse diese kleine Schritt fur mich und große Schritt fur Menschheit Zitate von Ihnen.“
Ein neuer Auftrag wird in einem Umschlag überreicht. Leise flüstert der Auftraggeber: „Ich möchte, dass es wie ein Selbstwort aussieht!“
Abgebloggt
•Februar 22, 2011 • Hinterlasse einen KommentarUnder pressure
•März 28, 2010 • Hinterlasse einen KommentarEs gibt Dinge, die lernt man erst zu schätzen, wenn man sie hat. Zum Beispiel einen neuen Kärcher Hochdruckreiniger. Meisterstück deutscher Ingenieurskunst. Mit einem Druck von 100 bar lässt sich prima festgetrocknetes Fleisch von alten Kinderknochen lösen, Zwergkanninchen enthäuten oder den linken Oberschenkel des nervtötenden Nachbarhundes durchfräsen. Nicht, dass ich sowas ausprobiert hätte – das stand alles so im Prospekt.
So ein Kärcher ist der moderne Degen des Spießbürgertums im Kampf gegen Schmutz und Unsauberkeit. Hausfassaden erstrahlen hellweiss, die moosbewachsenen Wegplatten zum Teich mit Koi-Karpfen erscheinen wie frisch verlegt. Samstag morgens trifft man sich in der Neubausiedlung zur allwöchentlicher Säuberung – eine schöne Tradition, die noch ganz ohne moderne Gerätschaften wie Hochdruckreiniger auskommt.
Aber trotz äußerlicher Sauberkeit sollte jeder in sich hineinhorchen und sich fragen: „Ist auch mein Gewissen rein?“. Das klingt jetzt natürlich nach abgeschmacktem Moralgeschwätz, nach Heuchlerei, aber mir wurde beim letzten katholischen Priesterseminar immer und immer wieder bewusst, wie menschlich fehlbar wir alle sind (selbstverständlich abgesehen von mir!).
*Hüstel*
•August 19, 2009 • Hinterlasse einen KommentarKeine Angst, das hier ist nur eine kleine Schweinegrippe-Party. Fühlen Sie sich bitte wie zu Hause. Ganz nebenbei: „Gefahren sind kontrollierbar, solange man sie genau kennt“, verriet mir ein Haiforscher beim Thunfisch-Wettessen. Schön dass Sie noch gekommen sind, die anderen sind schon ganz fiebrig …
Stopp, stopp, stopp. Was ist denn bitte das? Soll das etwa lustig sein? Entfernen Sie jetzt mal bitte diesen Schimpansen von meinem Arbeitsplatz! Wie? Was soll das heissen – „Mindestlohn nicht für Tiere“? Und warum trägt der ein Kopftuch? Ich verstehe. Wegen seiner Religion. Das ist ja lächerlich. So ein billiger, muslimischer Affe nimmt mir meinen Arbeitsplatz weg. Wie? Sie haben alles aufgenommen? Was heisst hier meine meine rassistischen Bemerkungen würden vor Gericht … Ich fass’ es nicht!
Entschuldigung, es gab einige kleine Probleme bezüglich eines .. vergessen wir die Sache einfach. Ich möchte Ihre werte Aufmerksamkeit lieber auf ein Thema lenken, welches immer mehr Brisanz gewonnen hat: Die Macht der Nutzer. Jetzt fragen Sie sich bestimmt, welche Art von Nutzer denn gemeint ist. Nutzen kann man einiges, ausnutzen noch mehr .. ‘tschuldigung – ich muss mich kurz kratzen, mein neuer Pulli juckt. Ich glaube, ich vertrage diese Baumwolle nicht so ..
Wo waren wir? Genau, was mit Nutzer gemeint ist. Natürlich der Internetbenutzer. Also wahrscheinlich auch Sie, außer ihr Zivildienstleistender liest Ihnen gerade diese Zeilen (leicht heiser) vor. Jetzt fragen Sie sich: Und welche Macht habe ich jetzt? Kann ich damit Wasser gelb färben und braune Floße darauf fahren lassen? Nicht wirklich. Aber Sie können ordentlich Dampf ablassen und allen Leuten, die sie schlecht behandeln, damit schön den Tag vermiesen.
Bevor Sie jedoch selbst tätig werden, schauen Sie sich erst einmal an, wie nützlich die Meinungen anderer Leute sein können. Möchten Sie beispielsweise wissen, wie die Lehrer ihrer Kinder sind? Kein Problem, besuchen Sie spickmich.de. Sie möchten wissen, ob ihr Lieblingsasiate auch nur wirklich frisches Gammelfleisch verwendet? Kein Problem, besuchen sie qype.com. Sie möchten wissen, ob der Mann, der neben Ihnen im Bett schläft, oft einen zu harten Stuhlgang hat? Kein Problem, besuchen sie die Toilette (nein, da gibt es keine Homepage von).
Dank Ihrer neuen Fähigkeiten können Sie jetzt auch als Patient mehr Druck auf den Arzt ausüben. Sätze wie „Au, den nächsten Termin hätte ich erst nächste Woche frei.“ kontern Sie einfach mit „Das habe ich schon im Internet gelesen. Hier werden einige Leute massivst bevorzugt. Kommen hier mit dem weißen Taxi an. Werden gleich behandelt. Müssen nicht mal mehr nach Hause laufen. Werden in so eine Stretch-Limo chauffiert.“
Hm, ich glaube ich habe gerade die Büchse der Pandora ein kleines Stück für Sie geöffnet. Ich werde jetzt erst einmal nachfragen, ob da auch Dosenpfand drauf ist, und Sie… Sie bleiben einfach hier und warten kurz. Schön? Sie wollen gehn. Dann bitte. Aber wehe ich finde hier eine negative Meinungsäußerung über diesen wundervollen Blogeintrag.
Back again…
•Februar 25, 2009 • Hinterlasse einen KommentarNun, hier bin ich wieder. Viele werden sich fragen, warum ich in letzter Zeit nichts mehr geschrieben habe, aber – wie immer im Leben – habe ich auch einen triftigen Grund hierfür: Ich will in die Politik. Natürlich nicht ohne neue Konzepte und Ideen – in den letzten Wochen arbeite ich verstärkt an meinem Programm zur Bekämpfung des Überbevölkerungsproblems auf diesem Planeten mit dem Titel “7 Millarden sind 6 zu viel!“.
Letze Nacht hat die Putzfrau meine gesamten Ausarbeitungen mit einem Schlag vernichtet, als sie das große RISIKO-Spielfeld samt Figürchen und Flaggen zum Saubermachen unsacht in eine Kiste schob. Danach meinte sie noch unverschämt zu mir, bei der Sauerei, die sie wegmachen müsse, wäre mal eine Lohnerhöhung drin. Gut, ich bin ja kein Unmensch, ich sagte ihr 20 % seien machbar, mit 1 Euro 20 pro Tag könne ich leben. Sie zeigte sich erst erfreut, brabbelte dann aber irgendwas von wegen der Heirat meiner, deretwegen sie extra nach Deutschland gekommen sei. Da wurde es mir dann auch zu viel, ich bin ja hier kein Seelenklempner, also schön zurück nach Bankok, das soll sie dann dort der thailändischen Partneragentur vorheulen…
Genug zur Politik, es beginnt mich allmählich zu langweilen. Als engagierter Aquarell-Maler findet man einfach kein Gehör in dieser Gesellschaft. A propos – ja, jetzt kommt eine lang ausgearbeitete Überleitung – Gehör in dieser Gesellschaft: Bisher nahm ich eigentlich an, dass der Hauptzweck von Youtube die Bereitstellung einer Platform für die Videoinhalte eines jeden Nutzers darstellt.
Das stimmt jedoch gar nicht, wie ich letztens feststellen musste, der Hauptsinn liegt darin, einen weltweiten Schalltrichter für die ungehörten Stimmen der Internetnutzer zu liefern. Es scheint so, als ob dies ein idealer Nährboden für die Entwicklung abtrünnigster Diskussionen von Menschen, deren Meinung im richtigen Leben so gefragt ist, wie eine Magersüchtige bei den Weight-Watchers, bildet.
Eine kurze Analyse aller Youtube-Kommentare liefert die Aufteilung:
- 5 % „First-Post“ Schreiber, sowie 5 %, die betrauern, dass sie nicht der oder die erste waren.
- 40 % „Geilheits“-Bekundungen an die Autoren des Videos: „OMFG!! O_O awesome vid!!“
- 20 % Zustimmungen aller Art: „me too man lol!“
- 20 % Beschimpfungen gegen andere Nutzer oder die Autoren des Videos: „SHUT THE FUCK UP! Just because YOU don’t like Tokio Hotel doesn’t mean you get to fuck up their comments!“
- 10 % erhitzte Kommentare zu historischen /rassistischen Sachverhalten „I Don’t hate poland but you hate germany so you are the racist! „
- 10 % Kommentare der Leute, die niemals bemerken werden, dass diese Aufteilung nicht 100 % ergibt.
Im Mittelalter war das einfach noch besser. Da konnten die Menschen nicht so – hoppla hopp – mal eben einen Kommentar verfassen. Gut, die meisten konnten damals nicht mal schreiben, aber selbst wenn, dauerte eine Bekanntmachung mehrere Wochen. Nehmen wir mal Luther. Der musste seine Thesen noch an die Kirchenwand hämmern. Oder da gab es noch den Beruf des Proklamators. Wie wäre das auch gekommen?
Mitteralterlicher Marktplatz an einem Samstag-Vormittag. Ein Herr mit einer Schriftrolle steigt von seinem Ross. Fanfaren-Klänge unterbrechen das geschäftige Treiben. *Ta tatata*
„Bürger dieser Stadt. Der User EinfachnurChris hat folgende wichtige Mitteilung zum Youtube-Video „Blümchen – Verrückte Jungs“ zu machen. Er lässt verlauten: „sie sieht voll Geil aus!! Kein wunder ich hole mir heut noch einen runter wegen ihr!! Genau jetzt.“
Der Proklamator steigt auf sein Pferd zurück und entschwindet im aufgewirbeltem Staub.
Mein Tipp zum Schluss: vernichten Sie ihre Tastatur (oder wenn Sie an dieser zu sehr hängen, es tun auch Ihre Hände). Denn sobald einmal einen Youtube-Kommentar geschrieben hat, wird man es immer wieder tun. Ohne zu zögern.
Meine neue Universalfernbedienung
•September 19, 2008 • Hinterlasse einen KommentarNachdem meine Fernbedienung nun offensichtlich defekt war, hielt ich Ausschau nach einer neuen. Dabei stiess ich auf eine interessante Erfindung namens „Universalfernbedienung“. Bedient 15 Geräte gleichzeitig. Mit nur einer Fernbedienung! Das braucht der Mensch von heute anstatt leerer Versprechungen oder Benzinpreiserhöhungen.
Während ich mir darüber Gedanken machte, ob ich mir auch noch 14 neue Fernseher kaufen sollte damit ich was zum Bedienen hätte, bestellten meine Hände selbstständig das Wunsch-Produkt. Ein Klick und der Artikel lag ich Warenkorb. Ein weiterer und ich war an der virtuellen Kasse. Ein letzter, und schwupps war die Bestellung erledigt.
Am nächsten Tag klingelte es an meiner Haustür. Ich dachte, es wären schon wieder Zeugen Jevohas und wollte mittels meiner neu eingerichteten Lautsprechern über der Türe mit einem Schalldruck von 170 db sämtlichen Nervtötern den Gar aus machen, doch dann sah ich eine gelbe Uniform und stoppte den Trommelfellex 3000 Plus rechtzeitig.
Ich schritt zur Haustüre und nahm das Paket entgegen. Hastig öffnete ich es, um mein neues Prachstück endlich in Händen halten zu können. Titan-Molybdän-Platin Legierung für die Aussenhülle, innen ein 3 GHz Signalprozessor für die Tastendruckverarbeitung der seine Ergebnisse an die 300 Watt Infrarot-Diode vorn weitergab, die laut Hersteller nicht auf Kleintiere wie Hunde, Katzen, Hamster oder ähnliches gerichtet werden sollte, da sie diese sonst innerhalb von 2 Minuten vollständig durchgaren würde.
Zufrieden setzte ich mich abends für einen ersten Test aufs Sofa. „Zong!“. Der Fernseher sprang an. Hochzappen, runterzappen, alles prima. Doch als ich mich gerade entspannte, drängte mir der Fernsehapparat von Frau Kunze, unserer 80-Jährigen Nachbarin, wieder einmal die Klänge des „Herbstfestes der Volksmusik“ auf. Frau Kunze ist schon seit Jahren etwas schwerhörig, deswegen dreht sie den Fernseher immer auf – zum Leide der anderen Anwohner.
Früher hätte ich einfach kopfschüttelnd selbst etwas lauter gemacht, doch jetzt, ha, mit meiner neuen Fernbedienung, war es aus mit der Toleranz. Ich versteckte mich hinter dem Sofa und zielte mit der Fernbedienung wie ein Heckenschütze durch das Fenster meiner Nachbarin – genau auf ihren TV. Ich zappte durch bis zu Viva, wo gerade „Best of Loveparade“ lief. „Das soll der alten Oma mal eine Lehre sein. Das kann sie jetzt schauen bis ihr Zivi wiederkommt“, waren meine zufriedenen Gedanken
Ich hatte Erfolg mit meiner Methode. Aber nur zum Teil. Frau Kunze hat sich Scooter auf Vinyl geholt. Und den Schallplattenspieler von 1940 kann man leider nicht fernsteuern.
Das Leben ohne Fernbedienung
•September 19, 2008 • Hinterlasse einen KommentarNachdem meine alte Fernbedienung ihren Geist aufgegeben hatte, saß ich fluchend vor dem Fernseher, weil ich immer ein und dasselbe Programm sehen musste. „Rufen Sie an! Der Hot-Button schlägt gleich zu!“. „Boah ne!“, bemerkte ich genervt, „nicht schon wieder“. Doch irgendwie saß ich nach 10 Minuten immer noch davor. Ich weiß nicht einmal warum. In mich gekehrt suchte plötzlich verzweifelt Automarken mit A.
„Ha! Audi! Das ist doch total einfach.“ Als ob jemand meine Gedanken gelesen hatte, klingelte es dort im Studio und ein Anrufer wurde durchstellelt. „Hallo? Wie ist dein Name?“ fragte die Moderatorin manisch gut gelaunt ihr Gegenüber. „Peter.“ „Wie lautet deine Lösung, Peter?“ „Audi?“ Eine kurze Stille trat ein. Dieses Innehalten wurde jäh von einem Jingle beendet, der wohl schon weitaus bessere Jahre bei „Wetten dass…“ erlebt hatte. „Das ist leider falsch, Peter! Trotzdem danke, dass du angerufen hast!“
Gerade als ich den Fernseher ausmachen wollte, begann die Moderatorin sich ihres Oberteils zu entledigen, sodass sie danach nur noch im Bikini dastand. „Pff, das ist ja billigster Zuschauerfang, aber nicht mit mir!“ dachte ich mir.
Gut, ich hab die Sendung dann zu Ende gesehen. Ich weiß nicht einmal warum. Die Lösungen waren übrigens „Lada“, „Astor“ und „Marlborough“. Hätte man ja selbst drauf kommen können.
Bastard Student from Hell #2
•Juni 7, 2008 • Hinterlasse einen KommentarWoche A2
Jäh werde ich aus meinem morgendlichen Dämmerschlaf in der S-Bahn gerissen. Gegenüber von mir sitzt ein mit seinem Handy laut parlierender Armaniträger mit einer Tasche aus handgegerbtem japanischem Nondaiileder, das aus der Vorhaut vorderasiatischer Schambiber gewonnen werde, so wie er seinem Geschäftspartner per Handy gerade begeistert mitteilt.„Na warte!“ denke ich gerade und überlege kurz, ob ich mich jetzt meinem Jähzorn hingeben soll, doch dann erinnere ich mich an meine Vorkehrungen, die ich für so einen Fall getroffen habe. In einer etwas größeren Aktentasche, die oben auf dem Gepäckgitter ihr Dasein fristet, habe ich eine etwas größere Batterie plus extrastarkem Elektromagnet installiert, der per Fernsteuerung aktiviert werden kann. Hüstelnd stehe ich auf und schiebe die Tasche in einem unbeobachteten Moment direkt über unseren Geschäftsmann.
Mit einem leichten Grinsen setze ich mich wieder auf meinen Platz und drücke auf die Fernbedienung in meiner Hosentasche. Ein kurzes Summen ertönt und – nein wie schade – sämtliche Unterhaltungsgeräte einschließlich Handys sind im Radius von 5 m für immer unschädlich gemacht.Mein Freund gegenüber schaut etwas verdutzt als die Stimme seines Partners kurz verzerrt wird, dann ganz verstummt und das Handy seinen Geist aufgibt. Wärend er sprachlos sein Handy schüttelt um so Mitleid bei den anderen Fahrgästen zu erheischen, lehne ich mich entspannt zurück und schließe die Augen. Leise vor mich hinschlummernd überlege ich noch, wie wichtig Schlaf für eine ausgeglichene Psyche ist…
Bastard Student from Hell II
•April 11, 2008 • Hinterlasse einen KommentarWoche A1
Mein geruhsamer Tagesablauf wird von einer schier endlosen Menschenmenge gestört. Es ist Studientag, ein Tag der offenen Türe für alle Studieninteressierte. Wider meines Erwartens ist selbst der Ansturm auch auf unsere Fakultät sehr groß und diese Tatsache beginnt mich langsam zu nerven. Reicht nicht alleine schon das Bild vom stereotypen Informatiker aus, um jedglichen Ambitionen dahingehend abzuschwören?
Nein, hier wollen wieder unzählige WoW-Spieler ein Studium beginnen, das ihrer Meinung nach sie in die Lage versetzen wird, noch bessere Computerspiele zu entwickeln. So verstopfen diese Clearasilabonnenten wieder unsere Vorlesungssäle, nur um dann nach dem dritten Semester entmutigt aufzugeben, denn schließlich hat man bis dato noch kein vollständiges Spiel programmiert. Um solchen Leuten schon vornerein die Entscheidung zu erleichtern, habe ich, der BSfH, einige Vorkehrungen getroffen.
Damit die Frauenquote auch zukünftig gegen null geht (sofern man die androgynen Wesen hier nicht dazurechnet), habe ich mir rotes Absperrband geholt und zusammen mit einem Schild mit der Beschriftung: „Ausser Betrieb. Bitte benutzen Sie das Herrenklo!“ an den Eingängen der Damentoiletten angebracht.
Daneben musste allen potentiellen Studenten klar gemacht werden, dass das Essen in unserer Mensa wirklich ungenießbar war. Zufällig soll jemand an diesem Tag – so hörte man jedenfalls später – umetikettiertes Fleisch ins Kühlhaus geschmuggelt haben und später dem Veterinäramt einen anonymen Hinweis gegeben, dass dort mit Gammelfleisch gekocht werde. Dieses griff natürlich völlig zurecht rigide durch und schloss die Mensa auf unbestimmte Zeit, bis sich alles aufgeklärt hatte.
Um auch die letzten hartnäckigen Interessenten zu verjagen, habe ich eine theaterreife Inszenierung gestartet. Dazu habe ich noch einem etwas panisch veranlagtem Komillitonen mit Trypanphobie (Angst vor Blut/Injektionen) ein kleines Programm auf seinem Notebook installiert, dass zu festgelegten Zeitpunkten kurze Ausschnitte von Saw II präsentiert. Dies bringt ihn immer genau dann, wenn ich gerade wieder mit einer Gruppe von Interessenten bei der Gebäudeführung an ihm vorbeilaufe, dazu, laut schreiend und haareraufend durch den Gang zu rennend. Ich beruhige die Gruppe dann immer mit: „Das sind völlig normale Nachwirkungen der letzten Prüfung.“ Wenn einige dann mich verängstigt fragen, ob es wirklich so schlimm sei, reisse ich meine Augen auf, atme zwei, drei Mal panisch und flüstere: „Es gibt Dinge, über die möchte man nicht reden!!“.
Bastard Student from Hell
•Februar 12, 2008 • 1 KommentarAufgrund eines Buches, das mir letztens unter die Finger kam (nämlich „BAfH“) möchte ich die folgenden Einträge diesem Buch dedizieren.
Woche A0
Meine sonst so schlechte Stimmung war fast wie weggeblasen. Grübelnd suchte ich nach einem Grund für diesen ungewöhnlichen – ich würde fast sagen – langsam auch anwidernden Zustand. Vielleicht lag es daran, dass ich gestern in der S-Bahn wieder einmal den Türschließmechanismus mit einem zähen Erdbeerkaugummi überlistet habe und so leider einige schwerbeschäftigte Business-Kasper in ihre S-Bahn nicht einsteigen konnten. Es war so bedauernswert zu sehen, wie die S-Bahn wieder losfuhr und sie mit ihren dicken Aktenkoffern in der Hand schnell noch versuchten ein anderes Abteil zu öffnen, bis am Ende ihre vom Sprint geröteten Gesichter Ausdrücke von ohnmächtig bis stark verärgert annahmen.
Nein, daran lag es definitiv nicht. Stimmt! Es war die letzte Woche vor den Semesterferien, pardon, vor der vorlesungsfreien Zeit, also den Ferien. Während andere Studenten damit beschäftigt waren, die Themen für die Elektrotechnik Klausur diese Woche mühsam durchzuarbeiten, versuchte ich, meinen dunklen Plan für diese Klausur in die Tat umzusetzen.
Wenn man erstmal einige Wochen oder Monate im Unialltag integriert ist, so kennt man das System, und kann es gegen sich selbst einsetzen. Bei Klausuren ist es generell so, dass die Punkte, die für ein erfolgreiches Bestehen erforderlich sind, genau dann hochgesetzt werden, wenn nach dem alten Maßstab ein zu geringer Prozentsatz nur bestanden hätte.
So. Diese Tatsache brachte mich auf eine Idee. Was wäre wenn - rein zufällig natürlich – unproportional viele Partizipanten dieser Klausur nur wenig, bis gar keine Punkte erreichten? Zack! Dann schnappt die Falle zu! Wenn nacher die fertig gemalte Gaußglocke der Korrekturergebnisse auf dem Tisch liegt, wird das Lineal angesetzt und die Grenze einfach neu gesetzt – und das Wichtigste – ich werde dann auf jeden Fall bestehen!
Die Exekution dieser Kabale führte mich an diesem Dienstagnachmittag in die Innenstadt, in der ich – ausgestattet mit unzähligen Matrikelnummern und Bierflaschen – genügend „Personal“ akquirierte, das zum gewünschten Zeitpunkt eine falsch oder gar nicht ausgefüllte Klausur abgeben sollte. Oh man, was ich das Studentenleben liebe…
The next Kartoffelkeller
•Februar 8, 2008 • Hinterlasse einen KommentarViele mögen meinen, Pro7 hätte mit The next Uri Geller schon die Spitze des Mentaltainments geschaffen. Wenn Abermillionen Zuschauer ihr altes Silberbesteck, alte Uhren, Wecker, ihre ausgestopfte Frettchensammlung oder andere merkwürdigen Gegenstände auf den Fernseher legen, dann, ja dann hat der ganze Trick schon funktioniert. Denn rein statistisch betrachtet würden selbst ohne Gellers urige Kräfte 10-20 % der alten Uhren alleine durch die Bewegung und die Wärme wieder funktionieren, aber nein, die Statistik wartet neben dem Kausalität vor der Studiotüre.
Packt dann noch Herr Geller sein mystisch radegebrochendes Englisch hervor und flüstert während er an dem präparierten Löffelhals reibt „Beeend, I say to you beeend!“, so mag auch der letzte Freigeist überzeugt sein und sinkt fasziniert in seinen Fernsehsessel zurück, nicht merkend, dass eine übriggebliebene Gabel von der letzten Sendung in der Sesselritze noch ihr vergessenes Dasein fristet.
Aber wahrscheinlich wird diese Sendung nur eine erste von vielen nachfolgenden sein. Man munkelt, dass Pro7 an der Fortsetzung mit dem Titel „The next Kartoffelkeller“ arbeitet. Gewölbe sind auch unheimlich mystisch. Oder „The next Holzfäller“. Sicherlich auch gut.
So, das wars dann mal wieder. Und immer dran denken: Wenn Uri Geller den Löffel abgibt, dann wahrscheinlich nur, weil er schon verbogen ist.
