Bastard Student from Hell II
Woche A1
Mein geruhsamer Tagesablauf wird von einer schier endlosen Menschenmenge gestört. Es ist Studientag, ein Tag der offenen Türe für alle Studieninteressierte. Wider meines Erwartens ist selbst der Ansturm auch auf unsere Fakultät sehr groß und diese Tatsache beginnt mich langsam zu nerven. Reicht nicht alleine schon das Bild vom stereotypen Informatiker aus, um jedglichen Ambitionen dahingehend abzuschwören?
Nein, hier wollen wieder unzählige WoW-Spieler ein Studium beginnen, das ihrer Meinung nach sie in die Lage versetzen wird, noch bessere Computerspiele zu entwickeln. So verstopfen diese Clearasilabonnenten wieder unsere Vorlesungssäle, nur um dann nach dem dritten Semester entmutigt aufzugeben, denn schließlich hat man bis dato noch kein vollständiges Spiel programmiert. Um solchen Leuten schon vornerein die Entscheidung zu erleichtern, habe ich, der BSfH, einige Vorkehrungen getroffen.
Damit die Frauenquote auch zukünftig gegen null geht (sofern man die androgynen Wesen hier nicht dazurechnet), habe ich mir rotes Absperrband geholt und zusammen mit einem Schild mit der Beschriftung: “Ausser Betrieb. Bitte benutzen Sie das Herrenklo!” an den Eingängen der Damentoiletten angebracht.
Daneben musste allen potentiellen Studenten klar gemacht werden, dass das Essen in unserer Mensa wirklich ungenießbar war. Zufällig soll jemand an diesem Tag – so hörte man jedenfalls später – umetikettiertes Fleisch ins Kühlhaus geschmuggelt haben und später dem Veterinäramt einen anonymen Hinweis gegeben, dass dort mit Gammelfleisch gekocht werde. Dieses griff natürlich völlig zurecht rigide durch und schloss die Mensa auf unbestimmte Zeit, bis sich alles aufgeklärt hatte.
Um auch die letzten hartnäckigen Interessenten zu verjagen, habe ich eine theaterreife Inszenierung gestartet. Dazu habe ich noch einem etwas panisch veranlagtem Komillitonen mit Trypanphobie (Angst vor Blut/Injektionen) ein kleines Programm auf seinem Notebook installiert, dass zu festgelegten Zeitpunkten kurze Ausschnitte von Saw II präsentiert. Dies bringt ihn immer genau dann, wenn ich gerade wieder mit einer Gruppe von Interessenten bei der Gebäudeführung an ihm vorbeilaufe, dazu, laut schreiend und haareraufend durch den Gang zu rennend. Ich beruhige die Gruppe dann immer mit: “Das sind völlig normale Nachwirkungen der letzten Prüfung.” Wenn einige dann mich verängstigt fragen, ob es wirklich so schlimm sei, reisse ich meine Augen auf, atme zwei, drei Mal panisch und flüstere: “Es gibt Dinge, über die möchte man nicht reden!!”.
