Under pressure
Es gibt Dinge, die lernt man erst zu schätzen, wenn man sie hat. Zum Beispiel einen neuen Kärcher Hochdruckreiniger. Meisterstück deutscher Ingenieurskunst. Mit einem Druck von 100 bar lässt sich prima festgetrocknetes Fleisch von alten Kinderknochen lösen, Zwergkanninchen enthäuten oder den linken Oberschenkel des nervtötenden Nachbarhundes durchfräsen. Nicht, dass ich sowas ausprobiert hätte – das stand alles so im Prospekt.
So ein Kärcher ist der moderne Degen des Spießbürgertums im Kampf gegen Schmutz und Unsauberkeit. Hausfassaden erstrahlen hellweiss, die moosbewachsenen Wegplatten zum Teich mit Koi-Karpfen erscheinen wie frisch verlegt. Samstag morgens trifft man sich in der Neubausiedlung zur allwöchentlicher Säuberung – eine schöne Tradition, die noch ganz ohne moderne Gerätschaften wie Hochdruckreiniger auskommt.
Aber trotz äußerlicher Sauberkeit sollte jeder in sich hineinhorchen und sich fragen: “Ist auch mein Gewissen rein?”. Das klingt jetzt natürlich nach abgeschmacktem Moralgeschwätz, nach Heuchlerei, aber mir wurde beim letzten katholischen Priesterseminar immer und immer wieder bewusst, wie menschlich fehlbar wir alle sind (selbstverständlich abgesehen von mir!).
